Test Sigma 85 Art

December 14, 2017  •  1 Kommentar

Vor einigen Jahren hab ich mir das erste Sigma Objektiv aus der, ehemals neuen, Global Vision Serie gekauft.
Damals war es noch ein 17-70 welches ich an meiner APS-C Canon nutzte.
Von der Verarbeitung und der Schärfe, war ich begeistert. 
Also war klar, nachdem ich irgendwann auf Vollformat umgestiegen bin, das ich weiterhin auf Sigma setze.
Ein 50mm Art ersetzte das echt miese Canon 50 f 1,4. 
Selten sowas geiles gesehen. Aber ein echter Klopper, was Größe und Gewicht angeht. 
Ein 24er und ein 35er Art zogen ebenfalls ein.
Man kann mich wohl als Sigma Fanboy bezeichnen. 

 

2016 wurde dann das Sigma 85 Art vorgestellt. 
Leider hatte ich nicht die Möglichkeit es auf der photokina zu testen, es war wohl nur ein einziges Exemplar auf der ganzen Messe vorhanden.
Außerdem war ich leider zu angetrunken :)
Was aber auch gar nicht so verkehrt war, sonst hätte ich es mir wahrscheinlich schon früher zugelegt, wenn ich es einmal in der Hand gehabt hätte.
Mit meinem gebraucht gekauften Canon 85 f 1,8 bin ich nie so richtig warm geworden. 
Schärfe war zwar einigermaßen zu gebrauchen aber die Chromatischen Abberationen (Farbsäume) waren der Horror. 
Dafür war es schön leicht, kompakt und günstig.
Irgendwie bin ich ja dann doch son “haptischer Typ”, das Plastik des Canon hatte mich gar nicht angemacht.  

 

Als der “Druck” dann irgendwann zu groß wurde, habe ich mir dann recht spontan das Sigma 85 Art bestellt. 
Hab ich oben noch erwähnt das ich das 50er riesig finde, wirkt es gegen das 85er noch recht zierlich. Vergleich ich es nun mit dem Pendant von Canon ist dieses Teil echt megariesig. 
1131 gr. schwer (das Canon wiegt fast ein Drittel davon, 426gr.).

 

Hab ich nicht irgendwann mal gesagt, ich hab keinen Bock tonnenweise Zeugs zu schleppen ?
Ja ! Also, warum kauft sich der Typ ständig kiloweise Glas ? 
Ehrlich ?
Ich hab keinen Plan. Es macht mich irgendwie an, mit gut verarbeitetem Zeugs zu arbeiten. Es macht einfach Spaß !
Reicht das als Erklärung ?
Wenn ich genau nachdenke, dann schleppe ich auch nicht immer alles mit, wenn ich unterwegs bin. 
Meist ist es nur eine Kamera und ein 35mm, ohne Rucksack, einfach um die Schulter gelegt. 
Bin ich mir nicht 100% sicher was ich brauche, landet halt alles im Rucksack. 
Dann schleppe ich den Kram von der Bude zum Auto und anschließend zur Location. 
Stundenlange Wanderungen mache ich damit nie.
Nur so als Erklärung und um mir die kiloweise Glasdinger im Rucksack schön zu reden ;) 

Zurück zum Sigma 85mm Art.
Da ich keinen Bock habe irgendwelche Testcharts zu fotografieren, beschränke ich mich mal auf meine Erfahrungen in der Praxis. 

 

Die Haptik ist echt der Knaller. 
Trotz der Größe und des Gewichtes, liegt es wunderbar in der Hand.
Das schwarze Metall fasst sich gut an und ist schlicht gehalten. 
Nur ein paar weiße Beschriftungen sind zu finden.
Alles ist wie gewohnt toll verarbeitet, nichts knarzt. 
Kein Vergleich zum Plastikbomber von Canon. 
Das 85er ist das einzige meiner Sigma Linsen, welches eine Dichtung am Bajonett aufweist.
Mir erschließt sich jetzt nicht wirklich der Sinn dahinter. Das Objektiv an sich, ist wohl nicht speziell abgedichtet.
Was nutzt mir dann eine Dichtung am Anschluss ? Naja, vielleicht beruhigt das den ein oder anderen ja.
Haben ist besser als brauchen ? 

 

Mir persönlich ist der Fokusring, der aus Gummi besteht, viel zu breit geraten bzw. für mich nicht nötig.
Stören tut er aber nicht wirklich.
Derjenige der manuell fokussiert, wird sich mit Sicherheit freuen. 
Der Fokusring läuft butterweich. 

Der einzige Schalter der am Objektiv zu finden ist, ist der Autofokusschalter. 
Einen Stabilisator hat das ART nicht. 
Aber dadurch wäre es wahrscheinlich noch riesiger geworden. 
Tamron hat da noch ein 85er mit Stabilisator im Angebot, falls benötigt.
Ein bisschen weniger lichtstark, dafür kompakter, leichter und mit Stabi.

Für mich jetzt kein Negativpunkt. 
1/800 bei f/21/800 bei f/2 1/800 bei f/2
1/200 bei f/21/200 bei f/2 1/200 bei f/2

Die Schärfe liegt gefühlt auf einem Level mit dem 50er Art, wenn nicht sogar höher.
Schön knackig und kontrastreich und das bereits bei Offenblende !
Jedoch ist zu bedenken das bei einem klassischem Portrait nicht immer Offenblende gewollt ist.
Bei 85mm im Nahbereich haben nur ein paar Milimeter Schärfentiefe.
Ich bin zwar ein bekennender Fan von Offenblende, aber beim 85er nutze ich dann doch gerne f2 oder höher, wenn es etwas näher wird.
1/400 bei f/21/400 bei f/2

1/400 bei f/2

Hier hätte ich gerne einen Direktvergleich mit dem Canon gemacht. 
Da ich es aber leider nicht mehr hier habe, fällt das wohl weg. 
Gefühlt liefert das Sigma jedoch bei Offenblende bessere Ergebnisse als das Canon bei f2,8 - f3,2. 
Darunter habe ich das Canon nicht nutzen wollen.
Ich muss aber ehrlicherweise gestehen, das die Schärfe auch nicht alles ist.
Bei mir landen nicht alle Aufnahmen im Papierkorb die nicht 100% scharf sind.
Außerdem lege ich meist noch ein wenig Korn übers Bild.

1/250 bei f/1,41/250 bei f/1,4
1/250 bei f/1,4 unbearbeitet, Objektivkorrektur ein
1/250 bei f/1,4 bearbeitet1/250 bei f/1,4 bearbeitet
1/250 bei f/1,4 bearbeitet, Korn, Farblook

Chromatischen Aberationen hat Sigma zwar gut in den Griff bekommen.
Aber gänzlich weg sind sie nicht.  

War das Canon noch eine richtige Schleuder in Sachen Farbsäumen, muss man das beim Sigma schon heraufbeschwören. 
Ok, das Beispiel hier ist jetzt ne Extremsituation würde ich mal sagen. 

1/4000 bei f/1,4,Vollbild, ohne Profilkorrektur CA´sCA´s 100% Ansicht, ohne Profilkorrektur  manuelle entferntmanuelle entfernt 100% mit manueller Farbsaumentfernung


“Das Bokeh muss ficken!” heißt es doch so schön :) 
Das tut es in der Tat. Ich mag den creamy Look. 
Alles schön gleichmäßig weich. 

1/400 bei f/2,21/400 bei f/2,2 1/400 bei f/2,2 1/250 bei f/2,21/250 bei f/2,2 1/250 bei f/2,2

Der Autofokus ist rasend schnell. 
Es macht hier keinen Sinn, die Stoppuhr anzuwerfen.
Gefühlt ist er schneller als beim günstigen Canon. 
Dazu noch viel leiser.
Ratzi Fatzi läuft der gesamte Fokusbereich durch. 
An meiner 5DIV saß der Fokus leider nicht "out of the box".
Auch meine 3 anderen Linsen wollten auch nicht mehr richtig mit der Mark IV, dafür saßen sie an der 6D 100 %.
Also das Zeugs zu Sigma nach Rödermark gekarrt (im übrigen nicht sehenswert, das Kaff) und einstellen lassen.
Immer wieder höre ich von Gemecker, das irgendwelche Sigma Linsen nicht an irgendwelchen Kameras auf den Punkt fokussieren.
Ich könnte jetzt hier von Toleranzen oder von Canon reden um dies zu erklären, aber ich lass es, wird dann noch langweiliger.
Jedenfalls bietet Sigma ein USB Dock an.
Mit diesem könnt ihr selbst den Fokus auf die unterschiedlichen Entfernungen kalibrieren und auch die Firmware aktualisieren.
Klingt ganz gut. Ich war jedoch viel zu doof dafür...
Hab den ganzen Kram bei Sigma justieren lassen. 
Seitdem ist alles tutti und ich kann mich auf den Autofokus verlassen.

1/500 bei f/21/500 bei f/2 1/500 bei f/2
1/1600 bei f/1,41/1600 bei f/1,4
1/1600 bei f/1,4

Ich hoffe für den ein oder anderen ist dieser höchst professionelle Test hilfreich oder interessant :) 
Ihr merkt oft hab ich das Wort "gefühlt" genutzt.
Wie gesagt, ich fotografiere nicht unter Laborbedingungen und ob jetzt ein Objektiv 0.001 Sekunden schneller oder langsamer fokussiert ist mir auch relativ egal.
 
Habt ihr Fragen ? 
Einfach Bescheid geben. 

 


Kommentare

Baris "Lichtrebell" Yener(nicht registriert)
Sehr gut veranschaulicht wozu das 85er ART im Stande ist.
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